Siebtes Kapitel Der Weg zur Erleuchtung

Siebtes Kapitel Der Weg zur Erleuchtung

 

In diesem Winter  1983/84 nachdem meine zwei Freunde Olli und Joschi weg waren, war erst mal Einsamkeit angesagt. Die Regenfälle begannen immer gegen Ende Oktober.

Regen, Regen, Regen. In dem Tal, in dem mein Lehmhaus ganz allein stand und in dem ich wohnte, gab es keinen Strom, kein fließend Wasser und natürlich auch kein Telefon. In der heutigen Zeit undenkbar, in der man in jeder Sekunde seines Lebens online sein muss.!  

Es war, wenn ich zurückdenke einfach Wunderbar.

Mein Leben bewegte sich  zwischen Arbeit mit Kosta und Steffie bei der Olivenernte und abends schlafen. Als Licht hatte ich entweder eine kleine Olivenöllampen (aus einem Baumwolldocht der in ranziges, altes Öl in einem speziellen Behälter gesteckt und angezündet wurde) oder Kerzen, die aber sehr teuer waren. Sauberes Petroleum gab es hin und wieder, das in Lampen verbrannt, dann doch nicht so stark rauchte und stank.

Nun muss man sich vorstellen, dass ich weit ab vom  Schuss war. Egal was ich unternehmen wollte, sei es zur Arbeit oder zum Feierabend, es war immer alles zu Fuß.

Morgens wanderte ich ungefähr 30 Minuten bis zur Arbeit. Abends zurück und dann vielleicht noch mal in die Kneipe. Nach Larna in den Ashram zu gehen blieb mir eigentlich nur das Wochenende.      

 

Meinen Antrag für die Aufnahme als Sannyassin bei Bhagwan Shree Rajneesh hatte ich ja gestellt und nun war es soweit. Es kam ein Brief aus Oregon mit der Aufnahme und meinem neuen Namen. Er lautete Swami Amrit Ashrida. Swami=Mann Amrit = Ewig und Ashrida = Glückseligkeit, also die Bedeutung  war "Ewige Glückseligkeit". Natürlich war ich sehr berührt und glücklich und ich musste gleich mit meinen Freunden aus dem Ashram feiern.

Man konnte sich für einen komplett neuen Namen entscheiden oder seinen alten Vornamen behalten, mit den zwei andern Vorsilben. Zum Beispiel behielt Jürgen Vogel der Leiter des Ashrams in Kavadades seinen alten Vornamen, er hieß  Swami Deva Jürgen. (Göttlicher Jürgen).

Die Sache mit den neuen Namen war dazu da,  dass man sich bewusst machte, ein neues Leben zu  beginnen. Ja ein neuer Mensch geboren worden war. Ein Mensch, der seine alten Gewohnheiten ablegt und  in Liebe auf dem Weg zur Erleuchtung wandert.  

Das gleiche war die Sache mit den Kleidern. Die Energiefarben oder Sonnenfarben (orange rot gelb rosa violett usw.) halfen einem dabei, zu erkennen, dass man auf einem speziellen Weg war. Deshalb auch z.B.. bei den Bhuddisten die Farbe Orange bei der Kleidung.

Und natürlich die Mala.  Die ersten Malas, die Bhagwan persönlich in  einer Zeremonie übereichte, waren aus Rosenholz. Die  Mala ist eine Gebetskette mit 108 Perlen. So war man sich immer bewusst ein Sanyassin, ein Schüler Bhagwans (Osho) zu sein. Später als er nach Oregon auswanderte und die Anzahl der Schüler zunahm, wurde eine weniger aufwendige Version verwendet.

Nur eben diese Mala fehlte mir zu meinem vollkommenen Sanyassinglück.

Die Mala  sollte für mich nie kommen , da das Ashram in Larna laut obersten Beschluss zumachen sollte! (Mitte 1981 verursachte Bhagwan Verwirrung bei seinen Anhängern. Aus gesundheitlichen Gründen verließ er Indien und begab sich über Umwegen unter anderem auch in Europa Kreta, nach Oregon USA. 1982 gab er bekannt, dass alle Ashrams schließen sollten und in Oregon die größte Kommune aller Zeiten entstehen sollte. Diese Regelung galt natürlich auch für Sadhana in Kavadades.) Mir sollte nur eines bleiben um an meine Mala zu gelangen. Nach Oregon reisen.

Als erklärenden Satz will ich noch etwas zur Meister-Jünger Beziehung sagen  ( Bhagwhan   aus demBuch: Lachen ist Religion)

In der westlichen Welt gibt es die Wissenschaft und die Lehrer-Schüler Beziehung. Der Schüler lernt etwas vom Lehrer, dadurch, dass der Lehrer die Zweifel des Schülers durch  neues Wissen zerstreut. Das  nennt man auch Forschung. Es ist extrovertiert.

In der östlichen Welt gibt es die Mystik und die Meister-Jünger Beziehung. Der Meister hilft dem Jünger zu verlernen. Zum Kind zu werden, neugeboren. (Auch  Jesus sagte“ Bevor du nicht wie ein Kind bist, bevor du nicht neugeboren bist, wirst du nicht in mein Reich Gottes eingehen.“) .Hier ist also nicht Zweifel und die Eroberung von Wissen  die Methode, sondern Vertrauen, tiefes Vertrauen. Es ist introvertiert.


Der Ashram Sadhana in Kavadades wurde 1979 gegründet und sehr viele Encounter und Urschrei, Tantra, Tarot Gruppen usw. fanden dort statt. Berühmte Therapeuten wie Premgyan (Tarot) und Premsadhu, Prem Margo (Tantra) sowie Nirmal (Astrologe Erich Bauer)  gaben dort Seminare. Eine fantastische positive Energie entstand, auch durch die vielen Besucher und Bewohner des Ashrams.

Das gefiel natürlich der einheimischen Bevölkerung weniger, da auch viele Gruppensessions nackt stattfanden.

Des Öfteren war die griechische Polizei Gast im Ashram. Denn auch die orthodoxe Kirche glaubte an „vom Teufel bessene“ oder“ total Verrückte“, die ins „Irrenhaus“ gehören.

Es war keine einfache Zeit, denn die „Gurudes“ badeten natürlich auch nackt am Strand. Kennt Ihr  den Film „Sommer in  Orange“ von Marcus H. Rosenmüller. So ungefähr ging es auch dort zu.

Mein  Beitrag zum Ashram war, dass ich einiges an frisches Gemüse brachte. Salate, Radieschen usw. mit dem Rucksack zu Fuß quer durch die Olivenhaine. Natürlich übernachtete ich dann auch mal im Ashram, der  Rückweg war ja doch sehr beschwerlich. Bei so vielen schönen Ma`s (Frauen) kein Wunder. Eine bleibt mir im Herzen, Rohini, Sie war wunderschön und so lieb! Eine von Bhagwans Message war: lebt Euer Sexleben aus. Seid  nicht verklemmt, seid frei in Euren Beziehungen! Das tat ich dann auch.

Ein Kodex galt aber! Kondome benutzen. Bhagwan war der erste der das HIV Virus Aids erkannt hatte, bevor in Europa überhaupt darüber diskutiert wurde.

Auch lernte ich damals Isabelle, ein bildhübsches blondes Mädchen  aus Genf kennen.

Nun musste ich mich für eine der beiden entscheiden. Es sollte Isabelle sein, die ich später dann auch heiratete

Die Genfer  Gruppe (etwa vier bis sechs Personen) waren keine Sannyassins, eher Hippies. Sie kamen für sechs Monate im Sommer und gingen über den Winter zurück zum Arbeiten. Zu Ihnen gehörte auch Joel, der Tipibauer. Er baute auch die Tipis, die im Ashram für Gruppenteilnehmer zur Verfügung standen. (Siehe Bild)

Zum Ablauf und nähere Infos über den Ashram kann und will  ich eigentlich nichts weiter sagen. Dafür war ich dort gar nicht ausreichend involviert. Das überlasse ich besser Jürgen  Vogel. Was ich noch sagen kann  ist, dass Jürgen und Aloka die Idee, im Ashram ein Tantrazentrum mit Prem Margo aufzubauen fallen liesen, nachdem ja alle Ashrams sich auflösen sollten. Somit war die Idee, aus dem Ashram einen konventionellen Ferienbetrieb zu machen (auch für nicht Bhagwanesen) geboren.

In diesem Winter 1983 /84 traf Jürgen Vogel auf einer Tourismusmesse Peter Stolz. Peter Stolz war damals als Tour Operator  bei TUI Reisen tätig. Hatte aber eine Selbsterfahrungsgruppe hinter sich und wollte ein eigenes „anderes“ Reisebüro gründen. So trafen sich Jürgen Vogel- Uranos Club (damals noch so geschrieben) und TIT Travel (Trans Inside Travel)-Peter Stolz und eine neue Idee begann….